Klassenfahrt gerettet!

von | Nov 29, 2019 | SK Story

Vom Problem zum AHA-Erlebnis

Die Problemstellung:

Zwei Trainer_innen für Diversity und Teambuilding werden zu Beginn des neuen Schuljahres  von dem Sozialarbeiter eines Gymnasiums beauftragt, mit einer 10.Klasse ein Training durchzuführen. Die Klasse hatte einenäußerst schlechten Ruf, Konflikte, Gewalt und Mobbing waren große Probleme im letzten Schuljahr. Einige der „schwierigsten MitschülerInnen“ waren abgegangen, mit den Übrigen sollte der Klassenzusammenhalt gestärkt werden.

Die angewandte SK-Methode

Prioritätskonsensieren

Was hat es bewirkt?

Das Ergebnis der Abstimmung mit SK war für die Klasse außerordentlich informativ. Der Unmut hinsichtlich der einzelnen Zielmöglichkeiten für die gemeinsame Klassenfahrt konnte Platz und Gehör in der Gruppe finden. Auch wurde deutlich, dass es viele weitere Auslandsreiseziele gab, mit denen alle zufrieden wären. Es wurde für alle sichtbar, welche Ziele die größte Akzeptanz innerhalb der Gruppe hatten. In der anschließenden Reflexion der unterschiedlichen Verfahren und Ergebnisse bemerkten die SchülerInnengeschlossen, dass das konsensierte Ergebnis für sie das bessere und zufriedenstellendere Ergebnis sei, denn hierbei wurde niemand zurückgelassen oder übergangen. Aufgrund ihres geschlossenen Auftretens und einer eindrucksvollen Ernsthaftigkeit in der Abstimmung, die auf Flipcharts dokumentiert war, konnte die Klasse erfolgreich mit der Lehrerin verhandeln. Der Klassenverband war gestärkt und führte zu einer gelungenen Abschlussfahrt für alle.

Die Story

Während des Trainings stellten wir überrascht fest, wie kooperativ sich alle sowohl mit uns, als auch miteinander verhielten. Die Jugendlichen teilten uns mit, dass sie sich eigentlich gut miteinander verstünden – so gut, dass sie gern gegen Ende des Jahres eine gemeinsame Schulabschlussfahrt machen wollten. Die Klassenlehrerin hielt dies aufgrund des oben beschriebenen Rufes der Klasse grundsätzlich für nicht machbar, bzw. weigerte sich, eine Fahrt bei dieser Klasse zu begleiten. Wir beschlossen, zunächst mit ihnen die guten Gründe zusammenzutragen, weshalb sie eine Klassenfahrt machen wollten: Das zentrale, verbindende Bedürfnis war Gemeinschaft: Die Klasse wollte etwas Schönes gemeinsam erleben.Nun sammelten wir Vorschläge, sowohl für Reiseziele im In-und Ausland, alsauch für die zeitliche Dauer, und fragten zunächst die Zustimmung zu den Orten ab, wobei jede Person bei jedem Ort ihre Hand heben konnte.Das Ergebnis war zwar eindeutig -bei den ausländischen Zielen (Paris erhielt 10 Zustimmungen), bei den Inlandszielen konnte jedoch keine Mehrheit gewonnen werden. Nach einer Pause berichtete ich der Klassen davon, dass ich ein neues Entscheidungsverfahren kennengelernt hatte und fragte, ob sie es mal ausprobieren wollten. Die Klasse willigte ein und so erklärte ich ihnen das Systemische Konsensieren mitsamt einer kleinen Skala: kein Problem = Arme unten lassen, kleines Problem = ein Arm hoch und großes Problem = beide Arme hoch. Und tatsächlich:  Im Anschluss ging es zusammen mit ihrem Schulsozialarbeiterdarum, welche Schritte sie als Klasse unternehmen könnten um mit der Klassenlehrerin in Verhandlung zu treten und siefür die Klassenfahrt zu gewinnen. Dabei wurde auch klar, dass sie sich bessere Chancen bei einer Inlandsfahrt ausrechneten und deshalb Köln als Reiseziel festlegten –ein Ergebnis, mit welchem trotz des Restwiderstands nach eigener Aussage alle gut leben konnten. Der Schulsozialarbeiter informierte uns später darüber, dass die Klasse, aufgrund des geschlossenen Auftretens und der für sie eindrucksvollen Ernsthaftigkeit in der Abstimmung, die auf Flipcharts dokumentiert war, erfolgreich mit der Lehrerin verhandeln konnte, was den Klassenverband weiterhin stärkte und zu einer gelungenen Abschlussfahrt führte.

Moyra Wollenberg über Konsenslotsen-Berlin

Adela Mahling

SK ist für mich der Grund, warum von einer gerechteren Welt träumen wieder Freude macht.