Zuhören wollen – Zuhören müssen

von | Nov 7, 2019 | Alltagsanwendung, Konfliktlösung, Organisationskultur Story, SK Story

Die Problemstellung:

Im Team gibt es immer wieder Widerstände und Konflikte.

Die angewandte SK-Methode

Prioritätskonsensieren  hier muss in den Erklärtext noch (angewandte SK-Methode – oder Kombination mit anderen – oder Tools) oder Verogehensweise in der Moderation

Was hat es bewirkt?

Die Beharrlichkeit und die Kompetenz des Teamlead führte das Team über das Vertrauen in die Andersheit der Methode SK durch in eine positive Gesamtstimmung.

Die Story

1-Tages Seminar zur Methode Systemisches Konsenieren mit einer Vereinsgruppe von zirka 20 Personen vor etlichen Jahren. Alle kannten sich untereinander gut und waren vertraut mit der Methode der Gewaltfreien Kommunikation (GfK), die sie auch praktizierten. Im Seminar stellte ich  Schnellkonsensieren als eine der SK-Anwendungen vor.

Ich arbeite gerne erlebnisorientiert und moderierte daher gleich einfache Vereinsentscheide mit Systemisches Konsensieren. Nach einem recht eindeutigen Entscheid mit hoher Akezeptanz, meldete sich eine Dame zu Wort: Sie wäre es gewohnt in so einem Fall die Einwände zu ergründen, und würde deshalb gerne ihre Bedenken schildern. Ich hatte die “Kultur des einander Zuhörens” in dieser Gruppe schon zuvor erlebt und hielt ich es daher eher für sinnlos die Einwandsfrage zu stellen. Tat es aber dennoch. Es kam wie erwartet massiv: 2/3 der Hände gingen hoch. In den zehn Sekunden Stille nach diesem Paukenschlag las ich in den Gesichtern der TeilnehmerInnen folgendes:

Dürfen wir “nicht zuhören wollen”? Ist das ok? Das Thema ist doch unwichtig!.

Warum die Moderation von eingefahrenen Situationen hilfreich ist

Pragmatisch schrieb ich einen Vorschlag auf ein Flipchart und ergänzte mit der Passivlösung:

Den inhaltlichen Entscheid annehmen und weiter zum nächsten Agenda Punkt.

Ich wartete noch auf weitere Vorschläge und ließ dann mittels Handgeste über individuelle Einwände auf der 3er Skala bewerten. Das Ergebnis: Großer Widerstand in der Gruppe sich die Einwände anzuhören, ein Widerstand gegen das Vorgehen zum nächsten Punkt überzugehen. Interessanterweise nicht von der Dame, die das Ganze ins Rollen brachte.

Ich fasste das Ergebnis zusammen: Ihr habt beschlossen, den inhaltlichen Entscheid anzunehmen und zum nächsten Punkt überzugehen.

Erleichterung im ganzen Raum! Wirklich im ganzen?

Notwendige Spurenwechsel in Gruppenkultur

Ich entschied für eine simple Frage: „Wie geht’s euch damit?“

In der Reflexion stellte sich heraus, dass die Gruppe sich Klarheit und Pragmatismus der Methode freute. Ihr Vorgehen schnell und transparent ändern zu können, erlebten sie als gewinnbringenden Vorteil. Besonderes Augenmerk wollten sie bei der weiteren Anwendung von SK darauf legen, wie sie gegen Maximalwiderstände Einzelner entscheiden.

Mein Learning daraus war damals, dass es manchmal ausreicht Gruppenmuster transparent, sichtbar und somit auch entscheidbar zu machen, um eine Kultur zu verändern und gemeinsam tragbare Lösungen zu finden.

ExpertInnen-Tipp

Achtung: Es gibt Gruppen, die bereits sehr reflektiert sind im Miteinandern. Umso mehr bedarf eine Intervention mit und für solche Gruppen eine achtsame Reflektion der Gesamtsituation: Den Schutz möglicher “Verlierer” und ein Klarmachen der Vor- und Nachteile des Verharrens im Status-Quo sowie einer möglichen Veränderung.