Da für jeden Vorschlag sein Gruppenwiderstand berechnet wurde, kann man die Vorschläge seiner Größe nach fallend reihen. Diese Reihung der Vorschläge stellen wir in einem "Lösungsband" dar. Ganz oben sind die Vorschläge mit dem geringsten Gruppenwiderstand.
Die Reihung der Vorschläge hinsichtlich ihres Gruppenwiderstands entspricht ihrer Reihung hinsichtlich ihrer Nähe zum Konsens. Sie ergibt ein "Lösungsband"
Das Lösungsband erlaubt nun eine differenziertere Entscheidungsfindung, die nicht nur den Vorschlag/die Vorschläge mit dem geringsten Gruppenwiderstand in Betracht zieht.
Eine besondere Rolle spielt dabei die sogenannte Nulllösung. Falls irgend möglich sollte sie mitentwickelt und auch bewertet werden. Sie lautet etwa: "Alles soll so bleiben, wie es ist" oder "Verschieben wir den Entscheid" oder ähnlich. Nulllösungen sollten positiv formuliert sein. Sonst muss man sich mit doppelten Verneinungen herumschlagen, was äußerst verwirrend ist. Wenn also zum Beispiel einige Anträge zur Änderung eines bestehenden Wahlmodus eingebracht wurden, dann sollte die Nulllösung nicht lauten: "Wir ändern den bestehenden Wahlmodus nicht" (wenn Sie versuchen, dagegen W-Stimmen zu vergeben, spüren Sie vielleicht, wie verwirrend dies wäre). Eine positiv formulierte Nulllösung wäre dagegen: "Wir bleiben bei der bestehenden Wahlordnung."
Wenn die Nulllösung mitbewertet worden ist, erkenn man an ihr die Grenze der Zumutbarkeit der Gruppe: Lösungen, die unterhalb der Nulllösung liegen, sind der Gruppe nicht zuzumuten, der Status quo ist der Gruppe lieber. Gleichzeitig bildet die Nulllösung eine Art Legitimation für die Umsetzung aller "guten" Lösungen, also aller jener oberhalb der Nulllösung: Diese wären in den Augen der Gruppe dem Status quo vorzuziehen. Sie alle könnten – und sollten – umgesetzt werden, solange sie einander nicht widersprechen. Sollten einige davon einander ausschließen, so haben die Konsens-näheren Priorität. Zum Beispiel könnten in einem Beziehungskonflikt die Vorschläge "Wieder einmal zusammen tanzen gehn", "In ein gutes Restaurant essen gehn", "Am Morgen einen freundlicheren Guten-Morgen-Gruß" und weitere alle verwirklicht werden. Dadurch sind die Chancen groß, dass man das zugrunde liegende Problem wirklich grundlegend löst.
Es kann auch mehrere Nulllösungen geben.
Für besondere Wünsche oder besonders sensible Fälle stehen auch ausgefeiltere Methoden für den endgültigen Entscheid zur Verfügung (siehe "Die endgültige Entscheidung")
