Fruchtbare Zusammenarbeit

Vorgeschichte:
Im Laufe seines Studiums und während seiner Tätigkeit als Universitätsassistent bemerkt Erich Visotschnig mit wachsendem Unbehagen, wie sehr die wissenschaftliche Tätigkeit an der Universität durch vorhandene Machtstrukturen behindert wird. Er bemerkt ferner, wie viel Energie unproduktiv verloren geht, weil sie zur Verteidigung oder zum Ausbau erreichter Machtpositionen verwendet werden muss. Er versucht, sich machtfreie Gesellschaftsstrukturen zu überlegen.

1964
Siegfried Schrotta lernt die hierarchischen Machtstrukturen eines multinationalen Konzerns kennen. Bei einem zweijährigen Auslandsaufenthalt innerhalb des Unternehmens gewinnt er Einblicke in die Koordination von Zentren der Macht: Eine wichtige Erfahrung für seine spätere Arbeit.

1970
Erich Visotschnig fasst seine Überlegungen im Buch mit dem Arbeitstitel „Die Kunst, ein Mensch zu sein“ zusammen. Er sendet sein Manuskript an über 30 deutschsprachige Verlage. Ein einziger Verlag beschäftigt sich näher mit dem Inhalt und lehnt das Buch dann als zu utopisch ab.

1971
Siegfried Schrotta hat durch ein Schlüsselerlebnis in New York die Idee, einen machtfreien Raum der Verständigung zu schaffen, in dem sich Meinungen, Ideen und Lösungsvorschläge öffentlich bewähren können. Um die dabei anfallenden, großen Datenmengen zu bewältigen, sollen Ordnungssysteme, Beobachtungszähler und Bewertungen der Aussagen dafür sorgen, dass die besten Ergebnisse selbsttätig aufsteigen und sichtbar werden. „Gedächtnisspuren“ und „Trampelpfade“ wie auch eine „Topografie der Interessenschwerpunkte“ sollen die Suche in den Aussagennetzen erleichtern. Mehrere Anläufe die Idee zu veröffentlichen scheitern an beruflicher Auslastung.

1979
lernen sich Siegfried Schrotta und Erich Visotschnig kennen. Beide inzwischen Berufskollegen als Systemanalytiker in der Computerindustrie beginnen nun gemeinsam mit der Verwirklichung des „machtfreien Verständigungsraumes“. Eine intensive Entwicklungsarbeit beginnt.

1979
Eine Gruppe befreundeter Eltern – unter ihnen auch Erich Visotschnig – ruft in Graz eine Alternativschule ins Leben. Erich Visotschnig erlebt dabei, wie selbst unter Freunden angesichts der notwendigen Entscheidungen immer wieder Streit ausbricht. Er erkennt als systemische Ursache das verwendete Entscheidungsverfahren – die demokratische Abstimmung. Der Versuch diesen systemischen Nachteil zu beheben, führt ihn zu der Idee, als Entscheidungsgröße nicht die Zustimmung zu maximieren, sondern die Ablehnung zu minimieren.
Zuerst allerdings fehlen jegliche Vorstellungen zur Einführung des Verfahrens in der Gesellschaft. Auch erscheint die Materie zu trocken, um sie mit Aussicht auf Erfolg als Buch herauszubringen.

1982
bringen Schrotta/Visotschnig das Buch „Neue Wege der Verständigung – der machtfreie Raum“ im ZSOLNAY- Verlag heraus und setzten diese Idee in konkreten Modellversuchen mit Jugendlichen und Studenten in Wien und Graz um. Zehn Jahre später erweist sich diese Arbeit als eine erste Vision des Internet und als Vorhersage seiner heutigen Schwierigkeiten samt Vorschlägen diese zu vermeiden.

1999
Angeregt durch Freunde, nimmt Erich Visotschnig gemeinsam mit Sylvia Temple die Gedanken des neuen Entscheidungsprinzips wieder auf. Sylvia Temple bringt unter anderem die Idee ein, die Entscheidungsmethode in der Mediation zu verwenden. Sie beschäftigt sich intensiv mit dem Verfahren und Konfliktlösungsstrategien. Um sich ihrer Arbeit in der Mediation und im Coaching zu widmen, zieht sie sich aus dem Projekt zurück.

2000
In neuerlicher Zusammenarbeit von Erich Visotschnig und Siegfried Schrotta wird nun versucht, ein Bewertungsverfahren zu finden, das machtorietierten Missbrauch verhindert. Es werden verschiedene Modelle zur Messung der Ablehnung erprobt und die Lösung von Interessenkonflikten durch „Konsensieren“ versucht. Das „Systemische Konsensprinzip“ (SK-Prinzip) wird entwickelt.

2005
erscheint ihr Buch „Das SK-Prinzip – Wie man Konflikte ohne Machtkämpfe löst“ im Verlag Ueberreuter. Bald danach entdecken Mediatoren das Konsensieren als ein Werkzeug, das sie im Rahmen ihrer Methoden einsetzen können. Für Schrotta/Visotschnig beginnt damit eine intensive Vortrags- und Seminartätigkeit.

In diesem Buch wird die Bewertung noch mit W- und Pro-Stimmen empfohlen, vor allem um eine eiseitige Machtausübung Einzelner oder von Untergruppen zu verhindern. Erst durch die praktischen Erfahrungen nach der Veröffentlichung entsteht die Gewissheit, dass man auf einfache Weise das Konfliktpotenzial messen kann. Der Selbstreinigungseffekt dieser Messung (nur mit W-Stimmen) ist entscheidend für die enorme Vereinfachung der Methode. Damit gelingt es erstmals das SK-Prinzip als Handlungsanweisung in einem einzigen Satz zu formulieren.

2007
nimmt der Unternehmensberater Georg Paulus an einem SK-Vortrag der beiden Autoren in München teil und empfiehlt SK zu vereinfachen. Damit rannte er bei den beiden offene Türen ein, da auch sie sich bereits mit einer Vereinfachung beschäftigten. Durch gemeinsamen deutsch-österreichischen Ideenaustausch wurde SK vereinfacht. Dabei entstand die Idee, gemeinsam ein leicht verständlichem Buch mit dem Titel „Systemisches Konsensieren“ zu schreiben.

2009
kommt das Buch Paulus/Schrotta/Visotschnig: „Systemisches Konsensieren – Der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg“ im Danke – Verlag heraus. Von da an findet nun auch eine Ausbildung von SK-Experten statt, die berechtigt sind, Seminare für Anwender zu halten.

2010
Nächstes Ziel der beiden Urheber ist die Zusammenführung der zwei Grundideen des machtfreien Verständigungsraumes und des SK-Prinzips in einer IT- Lösung, in der Probleme diskutiert und Lösungen jederzeit eingebracht und laufend bewertet werden können. In diesem dynamischen Prozess für große Teilnehmerzahlen sollen „Vertieftes Konsensieren“ und die Lösungssuche übersichtlich gestaltet werden und jene Lösungen,welche die größte Akzeptanz erhalten, laufend sichtbar gemacht werden.

2011
Gibt Siegfried Schrotta mit 16 Autorinnen und Autoren das Buch WIE WIR KLÜGER ENTSCHEIDEN im StyriaPrint Verlag heraus, während Erich Visotschnig gemeinsam mit Martin Stettner die Entwicklung des Programms für Online-Konsensieren vorantreiben. Diese Online-Konsensierung ist auf der Startseite als „einfach KONSENSIEREN“ aufrufbar und bereits bei einer zunehmenden Zahl von Benutzern im Einsatz.