Ein einfaches Terminproblem

Wenn es gilt, zwischen mehr als zwei Alternativen zu entscheiden, ist ein systematisches Versagen der Mehrheitsabstimmung unvermeidlich.

Ein Beispiel: Ein Turnverein will einen Wochentag für eine neue Übungseinheit festlegen. Die Interessenten wollen entscheiden, an welchem Tag die Einheit stattfinden soll. Man stimmt ab:

Versagen_Wahl_1

 

Eine relative Mehrheit ist für Montag. Jedoch 67 % der Beteiligten würden einen anderen Tag bevorzugen!
Die relative Mehrheit der Montag-Anhänger (33 %) fühlt sich als Sieger und möchte die Einheit für Montag festlegen lassen.

Jedoch: 67 % der Interessenten (das ist mehr als eine Zweidrittelmehrheit!) sind mit Montag unzufrieden!

Stichwahl

Versagen_Wahl_1 Kopie

 

Unter den Interessenten gärt es. Die unzufriedenen 67% verlangen eine Stichwahl. Montag und Freitag haben die meisten Befürworter. Sie sind daher Kandidaten für die Stichwahl.

Versagen_Stichwahl_Endg
Die Stichwahl ergibt:

Der Freitag erhält 48 % der Stimmen. Eine absolute Mehrheit von 52 % ist damit nicht zufrieden
Unter den Interessenten gärt es erneut. 52 % der an der Entscheidung beteiligten (das ist eine absolute Mehrheit!) sind mit Freitag unzufrieden.
Im Verein weiß man nicht weiter.

Der systemische Fehler

Das Problem des Vereins ist systembedingt. Jedes Verfahren, das sich nur auf Pro-Stimmen stützt, kann solche Resultate produzieren. Solange die Ablehnung nicht gemessen wird, ist es stets möglich, dass eine Alternative zwar von einer relativen Mehrheit von Befürwortern unterstützt, aber von den meisten anderen Gruppenmitgliedern abgelehnt wird. In all diesen Fällen können die Ablehnenden eine absolute Mehrheit darstellen!

Versagen_Befuerwortg_Ablehng_2

Wenn die Ablehnung nicht gemessen wird, können die Ablehnenden eine absolute Mehrheit darstellen

Kein Verfahren, das nur aufgrund von Pro-Stimmen entscheidet, ist dagegen gefeit. Und solange „Widerstand“ nicht gemessen wird, ist kein Verfahren imstande, die Unzufriedenheit anzuzeigen oder davor zu warnen.

Die Lösung

Versagen_Akzeptanz_3Der Verein wendet sich an das Institut für Systemisches Konsensieren. Wir lösen das Problem durch Konsensieren. Beim Konsensieren wird der Gruppenwiderstand (und damit die Akzeptanz) gemessen. Die Akzeptanz jeder Alternative zeigt den Prozentsatz der Beteiligten an, die bereit wären, diese ohne Einwand zu akzeptieren.

Obwohl der Mittwoch nur 11% Befürworter hatte, wird er mit einer Akzeptanz von 68,8 % (das ist mehr als eine 2/3-Mehrheit!) anerkannt. Wir sagen dazu, der Mittwoch ist ‚konsensiert‘.

Damit zeigt sich, dass die Tage mit der größten Befürwortung (Montag und Freitag) die geringste Akzeptanz erhalten. Dadurch versteht man auch die Unruhe, die durch die Entscheidungen für Montag oder Freitag im Verein entstanden ist.

Der Verein hat daher den Termin für Mittwoch festgelegt.

Seit ihrem Bestehen ist die neue Einheit ausgesprochen gut besucht, und die Stimmung im Verein ist bestens.