ISYKONSENS International - Institut für Systemisches Konsensieren

Aktuelles: Die Chance junger Staaten

Die Zeiten des Umbruchs, in denen ein neuer Staat entsteht, sind unsicher, die Machtverhältnisse im neuen Staat sind ungeklärt. Nicht selten strebt eine Vielzahl von Gruppierungen mit unterschiedlichsten Interessen danach, die bestimmende Kraft im neuen Staat zu werden. Solange
Protest
Die Zeiten des Umbruchs sind unsicher
es den gemeinsamen Feind gibt - im gegenwärtigen Fall die etablierte Machtstruktur im Staat - kämpfen diese Gruppen Schulter an Schulter. Ist dieser Feind besiegt, dann fehlt das einigende Element und die Interessensgegensätze treten in den Vordergrund. Die ursprüngliche Kampfgemeinschaft zerfällt oft im Streit um verschiedenste Interessen in rivalisierende Gruppen. Die Gefahr ist groß und die internationale Gemeinschaft fürchtet diese Entwicklung in den arabischen Staaten, die sich derzeit im Umbruch befinden.

Wenn der neue Staat eine Demokratie werden soll, erwächst aus der mangelnden Demokratieerfahrung die Gefahr eines arbeitsunfähigen Parlaments, in dem nur noch gestritten wird. Gerade das ist aber das Schlimmste, das dem jungen Staat widerfahren kann, für den eine funktionierende Ordnung erst geschaffen werden muss, wozu eine Unzahl von Parlamentsbeschlüssen nötig wäre. Gerade der junge Staat braucht ein Parlament, das auch dann funktionsfähig bleibt, wenn die aktuelle Zusammensetzung der politischen Kräfte eine solide Parlamentsarbeit erschwert.

Um zu einer stabilen Regierungsform zu werden, bräuchte die junge Demokratie eine Zeit ungestörter Zusammenarbeit im Parlament. Wie der Parteienstreit in den westlichen Demokratien deutlich zeigt, ist die Mehrheitsabstimmung jedoch nicht geeignet, Gegensätze zu
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Der Parteienstreit und das Geziehe und Gezerre der Parteien in die verschiedenen Richtungen prägt den politischen Alltag der westlichen Demokratien
überwinden. Nicht zuletzt ist der Widerspruch zur Politik der Regierung Aufgabe der Opposition. Der neue Staat braucht aber nicht Streit, Konflikt und Widerspruch, sondern die gemeinsame Anstrengung aller, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Die Demokratie braucht Zeit, sich zu bewähren und zu zeigen, dass sie den Wohlstand, die Sicherheit und die Freiheiten herbeizuführen vermag, die von ihr erwartet werden und auf denen ihre dauernde Stabilität letztlich beruht. Was eigentlich wiederum nur unter stabilen Verhältnissen wirklich möglich ist. Eine beinahe aussichtslose Anfangsbedingung! Was junge Staaten benötigen, ist ein Entscheidungsverfahren, welches Einigkeit fördert und Stabilität aufbaut und nicht Anlass zu Kampfabstimmungen gibt.

Das ist einer der Gründe, warum wir das SK-Prinzip und Konsensieren entwickelt haben. Wie wir in der Analyse des Verfahrens herausgearbeitet haben, fördert Konsensieren das Miteinander, das Streben nach gemeinsamen Lösungen, die Achtung vor den Wünschen und Bedürfnissen der anderen. Es baut das Gegeneinander ab, indem es das Verständnis für die anderen zur Bedingung macht. Das ist es, was junge Staaten so bitter benötigen würden, wenn politische Machtkämpfe und Rivalitäten und im Extremfall sogar Bürgerkrieg sie zu zerreißen drohen.

Beim Konsensieren entscheidet die Mehrheit nicht gegen die Minderheit, sondern sie entscheiden gemeinsam. Daher werden auch keine Mehrheitsverhältnisse benötigt, um die gekämpft werden muss! Ganz im Gegenteil liefert Konsensieren zu einem gegebenen Problem auch bei vielen Gruppen im Gremium stets eine Lösung und entfaltet zusätzlich seine Konflikt auflösende
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Das Machtparadoxon: unter den Bedingungen des SK-Prinzips führt der Kampf um Macht in die Bedeutungslosigkeit
Wirkung. Unabhängig von deren Größenverhältnissen ermöglicht Konsensieren die produktive Zusammenarbeit einer Vielzahl von Kleingruppen. Während bei der Mehrheitsabstimmung eine Vielfalt von Lösungsvorschlägen vieler Kleingruppen eher hinderlich ist, steigt dadurch beim Konsensieren die Chance auf qualitativ gute Lösungen. Das heißt, gerade in der schwierigen Zeit der „Formsuche" des neuen Staates, würde sich Konsensieren als stabilisierender Faktor erweisen.

Auch die Gefahr, dass eine einzelne Gruppe übermächtig wird und die Macht im Staat übernimmt, ist durch das unter den Bedingungen des SK-Prinzips wirksame Machtparadoxon gebannt. Konsensieren ist ein Entscheidungsinstrument, ohne ein Machtinstrument zu sein. Konsensieren als politisches Entscheidungsinstrument wäre die große Chance von jungen Staaten.