- dass der Bürger durch die Menge und Komplexität der Probleme überfordert wäre, müsste er sich um sämtliche politischen Entscheidungen auch selber kümmern. Dass es dafür einen Fachmann mit mehr Informationen und besserem Überblick, eben den Politiker und seine Berater brauche
- dass das Zusammenführen der Vielzahl der unterschiedlichen Bürgermeinungen mit den traditionellen Mitteln für Gruppenentscheidungen systemtheoretisch nicht befriedigend lösbar sei
- dass für das Zusammenführen der unterschiedlichen Bürgermeinungen derzeit auch technisch kein befriedigendes Konzept vorlegen würde.
Nun müssen wir aber immer wieder feststellen, dass die gewählten Repräsentanten ihre Stellung missbrauchen und aus partei- oder machtpolitischem Kalkül unverantwortliche Wahlzuckerln verteilen oder Positionen vertreten, die dem Volk zwar kurzfristig angenehm sein mögen, aber doch langfristigen Schaden anrichten. Wenn Teile der Bevölkerung dann auf diesen Trick herein fallen und – geblendet durch das Vertrauen, welches die repräsentative Demokratie für die gewählten Repräsentanten fordert – die Wahlzuckerln annimmt oder verantwortungslose Positionen unterstützt, dann wird ihm von vielen Analysten Unmündigkeit vorgeworfen. Und sie schließen daraus, dass dem Volk keine weit reichende Entscheidungsbefugnis zugestand werden könne, da diese zu kurzsichtigen Entscheidungen führen würde.
Die repräsentative Demokratie umgibt den Abgeordneten zuerst mit dem Heiligenschein des Vertrauenswürdigen und verurteilt dann das Volk, wenn es ihm wirklich vertraut
Dem Volk Entscheidungsunmündigkeit vorzuwerfen, indem man auf Fälle verweist, in welchen es nicht im Stande war, die Entscheidungsunmündigkeit seiner Repräsentanten zu korrigieren, ist eine Verzerrung der Wirklichkeit. Der Schluss, der wirklich daraus zu ziehen wäre, ist, dass die repräsentative Demokratie ihre Verantwortungsträger oft genug zu populistischen und dabei verantwortungslosen Initiativen drängt.
Da dies ein systemimmanenter Fehler der repräsentativen Demokratie ist, wäre die repräsentative Demokratie infrage zu stellen und nicht die Mündigkeit des Volkes. Man müsste eher umgekehrt versuchen, die Möglichkeiten und Strahlkraft der Repräsentanten einzuengen. Statt die repräsentative Demokratie zu verteidigen, sollte man eher versuchen, das Volk von den Repräsentanten unabhängiger zu machen und ihm mehr Souveränität – sprich eigene Entscheidungen – zuzugestehen. Es wären Methoden zu entwickeln, um das Volk tiefer in die politischen Entscheidungen einzubinden. Das SK-Prinzip ist ein Ansatz dazu.
